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Jonah Weaver - Jonah Weaver - 15.05.2026

Eintrag vom 03.03.1967:
Liebes Tagebuch,
Heute Abend hat sie Ja gesagt.
Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Angst gehabt wie in den Minuten, bevor ich gefragt habe. Nicht einmal bei meinen Prüfungen in Hogwarts. Nicht einmal an meinem ersten Tag in St. Mungo’s. Ich hatte das Gefühl, mein Herz würde mir die Rippen brechen. Und dann hat Linda gelacht. Nicht über mich. Nie auf eine grausame Weise. Sondern dieses warme, helle Lachen, bei dem sie den Kopf leicht nach hinten legt und einen anschaut, als wäre ich das Beste in dieser Welt. Ich glaube wirklich, dass kein Mensch jemals schöner gewesen ist als sie in diesem Moment. Sie hat gesagt, natürlich würde sie mich heiraten. Als wäre das die offensichtlichste Entscheidung der Welt.
Wir haben noch lange zusammen gesessen am offenen Fenster der Feuertreppe. Diese Wohnung im verregneten London... Seit wir hier eingezogen sind, haben wir gesagt, dass wir hier ausziehen müssen. Es ist definitiv zu klein für eine Familie. Aber nun scheint es greifbarer, dass wir all das hier in naher Zukunft hinter uns lassen. Jetzt genieße ich es Linda in meinem Arm zu haben und die kalte nasse Abendluft zu spüren, während wir unseren Rotwein genießen.
Ich habe ihr erzählt, dass ich sie damals nicht „zufällig“ angesprochen habe. Dass ich fast eine Woche lang um dieses verdammte Theater herumgeschlichen bin wie ein Verrückter, nur um herauszufinden, wann sie kommt und geht. Dass ich wusste, welchen Tee sie trinkt, weil ich die Bestellungen im Café beobachtet habe. Ich hatte schon ein wenig Angst, dass sie mich für verrückt erklären würde. Aber wir haben gesagt, wir sind gnadenlos ehrlich zueinander, schließlich werden wir heiraten.
Aber sie hat so sehr gelacht, dass sie geweint hat. Und dann hat sie mich geküsst und gemeint, sie hätte sich damals schon gedacht, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. "Abgesehen davon, dass ich ein Zauberer bin?" fragte ich sie und sie hat nur noch mehr gelacht.
Ich kann nicht aufhören, auf den Ring an ihrer Hand zu schauen. Meine Verlobte. Das klingt völlig absurd. Manchmal frage ich mich, ob Menschen wie ich überhaupt für so etwas gemacht sind. Für Liebe. Für Glück. Für ein Zuhause, das nicht aus Angst besteht. Ein Teil von mir wartet immer noch darauf, dass jemand auftaucht und sagt, dass ich das alles nicht haben darf. Aber heute Abend war dieser Teil leiser. Vielleicht zum ersten Mal überhaupt.

Eintrag vom 18.02.1969
Liebes Tagebuch,
Linda ist schwanger. Ich schreibe diesen Satz jetzt zum fünften Mal, weil ich immer wieder lachen oder weinen muss, bevor ich fertig bin.
Ich werde Vater. Sie hat es mir heute Morgen gesagt, vollkommen ruhig, während sie in der Küche stand und Tee gemacht hat, als würde sie mir erzählen, dass wir Milch kaufen müssen. Ich glaube, ich habe sie einfach nur angestarrt wie ein Idiot. Sie fragte irgendwann: „Jonah, atmest du noch?“ Und offenbar habe ich tatsächlich vergessen zu antworten.
Dann hat sie angefangen zu weinen. Und ich auch. Ich hatte nie wirklich einen Plan für mein Leben. Nicht im eigentlichen Sinne. Als Kind dachte ich immer nur daran, irgendwie heil erwachsen zu werden. Später wollte ich einfach Heiler werden. Nützlich sein. Niemandem weh tun. Dann traf ich Linda und sie wurde mein Plan. Sie jeden Tag glücklich zu machen und für sie der beste Ehemann zu sein, der ich kann. Und jetzt wird da ein kleiner Mensch sein. Unser kleiner Mensch. Es fühlt sich gleichzeitig wunderschön und furchteinflößend an. Ich habe solche Angst davor, etwas falsch zu machen. Angst davor, meinem Kind dieselben Ängste mitzugeben, mit denen ich selbst aufgewachsen bin. Diese ständige Scham. Das Gefühl, nie gut genug zu sein. Immer falsch. Immer kurz davor, etwas zu verlieren. Aber vielleicht kann man Dinge wirklich anders machen. Vielleicht kann ein Kind aufwachsen, ohne Angst vor seinem eigenen Zuhause zu haben.
Linda meinte heute, unser Kind werde bestimmt meine Augen bekommen. Ich hoffe nicht. Meine Augen sehen ständig aus, als hätte ich seit drei Tagen nicht geschlafen. Ich hoffe, es bekommt ihr Lachen. Gott, ich hoffe wirklich, dass es ihr Lachen bekommt.

Eintrag vom 10.08.1984
Es sind zwei Tage vergangen und ich verstehe immer noch nicht, wie die Welt einfach weitermachen kann. Heute Morgen ging die Sonne auf. Wie kann die Sonne aufgehen, wenn Linda tot ist? Das klingt verrückt. Ich weiß. Aber ich meine es ernst. Irgendetwas hätte doch stehen bleiben müssen. Wenigstens für einen Moment.
Die Kinder brauchen Frühstück. Wäsche muss gemacht werden. Irgendjemand hat gefragt, wo die Schulsachen sind. Ich habe geantwortet. Ich habe Essen gekocht. Ich habe jemanden getröstet. Ich habe funktioniert. Und zwischendurch vergesse ich manchmal für vielleicht drei Sekunden, dass sie tot ist.
Dann trifft es mich wieder wie ein Fluch. Heute habe ich automatisch zwei Tassen Tee gemacht. Ich habe ihre Seite des Bettes angesehen und wirklich erwartet, dass sie dort liegt.
Ein Teil von mir wartet die ganze Zeit darauf, dass sich die Tür öffnet und sie zurückkommt, weil irgendwo ein Fehler passiert sein muss. Ich bin Heiler. Menschen sterben. Ich weiß das. Ich habe Familien diese Nachrichten selbst überbracht. Aber das hier fühlt sich an, als hätte jemand die falsche Person aus der Welt gerissen. Die Kinder versuchen tapfer zu sein. Manche reden viel, Flo und Daisy. Wobei Daisy eher damit beschäftigt ist Flo aufzufangen. Aber sie ist 13. Es sollte nicht ihre Aufgabe sein. Manche gar nicht, Meadow ist so still, dass ich nachsehen muss, ob sie noch da ist. Aber sie ist es. Zusammengerollt in eine Decke liegt sie in ihrem Bett und möchte Niemanden sehen. Ich weiß nicht, ob ich genug bin für sie. Oder für irgendeins meiner Kinder. Ich weiß nicht, wie ich gleichzeitig Vater und Mutter sein soll. Linda konnte Räume heller machen, allein dadurch, dass sie in ihnen stand. Ich kann nur versuchen, alles irgendwie zusammenzuhalten.
Vorhin hat eines Anthea gefragt, ob ich jetzt auch sterbe. Ich glaube, in diesem Moment ist etwas in mir zerbrochen. Ich habe natürlich Nein gesagt. Sofort. Ruhig. Sicher.
Aber die Wahrheit ist, dass sich ein Teil von mir bereits mit ihr begraben anfühlt.


RE: Jonah Weaver - Jonah Weaver - 15.05.2026

Ich habe fertig <3


RE: Jonah Weaver - Severus Snape - 15.05.2026

Und damit bist du erneut mein :)