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Harry Potter - Harry Potter - 23.06.2026

Der Tagesprophet lag zwischen Kürbissaftbechern, Toastkrümeln und einem halb vollen Teller mit Rührei, den Ron eben noch halbherzig gegen Hedwig verteidigt hatte. Sie lag dort, als hätte man sie einfach nur abgelegt, aber in Wahrheit hatte Harry sie ein wenig angewidert fallen lassen. Ein bisschen Pergament, Druckerschwärze und ein paar sauber gesetzte Spalten. Die konnten nicht so schlimm sein. Eigentlich war das nämlich nichts, was einem fünfzehnjährigen Schüler noch vor der ersten Unterrichtsstunde den Appetit hätte verderben sollen.

ERNEUTE UNRUHE UM HARRY POTTER
von unserer politischen Redaktion
Auch Wochen nach den tragischen Ereignissen des vergangenen Schuljahres reißen die Diskussionen um Harry Potter nicht ab. Der fünfzehnjährige Schüler, der in der Vergangenheit wiederholt durch ungewöhnliche Vorfälle im Umfeld von Hogwarts aufgefallen ist, hält weiterhin an der Behauptung fest, Du-weißt-schon-wer sei zurückgekehrt.
Das Ministerium für Zauberei sieht hierfür nach wie vor keine belastbaren Beweise. Mehrere Quellen aus dem Umfeld der Schule äußerten unterdessen Sorge um Potters seelischen Zustand, der nach dem Tod des Hogwarts-Champions Cedric Diggory verständlicherweise belastet sein dürfte. Kritiker werfen Schulleiter Albus Dumbledore vor, den Jungen für seine eigenen politischen Zwecke zu instrumentalisieren, anstatt ihm die Ruhe zukommen zu lassen, die ein Schüler in seiner Lage dringend benötige.

Harry hatte den Absatz zweimal gelesen. Er hatte ihn zwar schon beim ersten Mal verstanden, aber trotzdem hatte ein sehr naiver und vermutlich ein bisschen dummer Teil von ihm gehofft, dass sich die Worte beim zweiten Hinsehen in etwas anderes verwandelten. Taten sie nicht. Sie blieben genau da, schwarz auf hellgrauem Papier. Ordentlich und vermeintlich höflich und so widerlich vernünftig formuliert, dass man fast übersehen konnte, was genau da eigentlich passierte.
Harry Potter hatte längst verstanden, dass man hier einen psychologischen Krieg gegen ihn führte. Wirklich erklärt hatte ihm das niemand und Harry hätte vermutlich ein anderes Wort benutzt. Aber unterm Strich war es eben genau das. Man versuchte ihn lächerlich zu machen und benutzte ihn gefühlt aktiv als Waffe gegen Dumbledore.
Seelischer Zustand. Verständlicherweise belastet. Keine belastbaren Beweise.
Harry hätte beinahe darüber gelacht. Nur war ihm nicht besonders lustig zumute. Cedric war tot und Voldemort war zurück. Harry hatte auf diesem verdammten Friedhof gestanden, gefesselt, verletzt und mit dem Geschmack von Blut im Mund. Voldemorts Stimme in den Ohren. Aber sicher.
Vielleicht brauchte er einfach nur ein bisschen Ruhe! Er sollte sich hinlegen, einen Tee trinken. Vielleicht mal in die Sonne gehen! Ein Spaziergang half sicher Wunder. Die endeten dann in einem Angriff von Dementoren, der einem auch nicht geglaubt wurde! Pff… vor allem sollte er vermutlich damit aufhören, die Erwachsenen um sich herum mit unangenehmen Wahrheiten zu belästigen.

Harry schob die Zeitung von sich weg. Nicht besonders heftig aber auch nicht super vorsichtig. Der Rand knickte gegen Rons Becher, der bedenklich schwankte und etwas von seinem Inhalt über die Zeitung kippte. Ein dunkler Fleck Kürbissaft fraß sich langsam in das Foto neben dem Artikel.
Perfektes Sinnbild. Genau das machten sie immerhin auch mit ihm. Kippten einfach irgendwas über ihm aus und erhofften sich davon, dass es schon ausreichend Schmutz hinterließ, um alles andere unleserlich zu machen. Er konnte nur hoffen, dass das Ministerium damit nicht so erfolgreich war wie er mit dieser Zeitung.