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Eugene Floyd Belby - Druckversion

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Eugene Floyd Belby - Eugene Belby - 01.07.2026

Eigentlich wollte Eugene nur etwas gegen seine Schmerzen nehmen und schlafen gehen. Aber nein, Andre hatte ihn ja unbedingt dazu überreden müssen, ins Krankenhaus zu gehen. Wenigstens hatte er ihn davon überzeugen können, dass das St. Mungos eine schlechte Idee war, da sie nur Werwolf hörten und wussten, dass gestern der Vollmond gewesen war. Entweder sie verweigerten ihm den Zutritt oder untersuchten ihn nicht richtig. Aber selbst wenn, war Eugene überzeugt davon, dass es nichts war. Er vertrug vermutlich nur den Banntrank nicht mehr. Das würde er mit seinem Dad besprechen, wenn er sich etwas besser fühlte, irgendwann. Klar, er selbst hatte sich auch schon Sorgen um sich gemacht, seit er bemerkt hatte, dass die Wandlungsschmerzen stärker geworden waren und er auch so mal Knochenschmerzen bekommen hatte. Ein wenig fühlte es sich wie die Pubertät an. Immerhin war auch sein Werwolf durch die Pubertät gegangen. Damals hatten sich die Wachstumsschmerzen ähnlich angefühlt. Vielleicht löste der Trank ja auf Dauer auch eine Art zweite Pubertät aus. Es gab ja nicht viele Werwölfe, die seit der Erfindung auch jeden Vollmond den Trank bekommen hatten. Er war teuer, schwer zu brauen und nicht jeder hatte genügend Unterstützung, dass er oder sie ihn einfach nehmen konnte. Er selbst hatte ein paar kennengelernt, die sich vom Ministerium einschließen ließen, aber dem Trank nicht trauten. Sie vertrauten lieber den dicken Gittern und Kerkern des Ministeriums, das sie eigentlich alle vernichtet sehen wollte.

"Und ich sage dir, da ist nichts. Ich bin einfach nur ein bisschen schlapper als sonst", meinte er von der Liege aus. Muggelärzte waren schon komisch. Sie hatten ihm gesagt, er solle liegen bleiben. Vermutlich würde er nicht eingewiesen, aber er würde definitiv hierbleiben und ein paar Tests über sich ergehen lassen. Gesagt hatte bisher keiner etwas. Er hatte in einen Becher pinkeln müssen, ihm war Blut mit einer Nadel abgenommen worden, er war abgehört worden und Andre hatte gemeint, dass er für eine Art Hormonungleichgewicht von einem (wie hatte er den noch gleich genannt? Homologe? Heterologe? Heteropath? Ach ne) Homöopath ein Kräutergemisch bekam, dass er einmal im Monat nahm. Danach war Eugene gefragt worden, ob sein Hausarzt eine genaue Diagnose gestellt hätte oder er Drogen nahm. Tja, einen Werwolf zu erklären, wenn man über die magische Welt nichts sagen durfte, war schon schwer. Daher hatte Eugene einfach nur gesagt, dass er das nahm, seit er etwa 15 war. Er wisse aber nicht genau, was darin war. Daraufhin war ihm noch mehr Blut abgenommen worden. Etwas später hatte man ihn dann zum Röntgen genommen. Da hatte er das Personal bestimmt genervt, weil er sie ausgefragt hatte, wie das Ganze funktionieren soll, so ganz ohne Magie. Wie sollte man sonst einfach in einen Körper gucken können? Und ganz ehrlich, diese Röntgenstrahlen klangen für ihn nach einem Zauber, den ein Heiler erfunden haben könnte. Die Bilder hatten sie ihm allerdings nicht gezeigt. Stattdessen hatte er sich ausziehen dürfen, woraufhin er die Narben hatte erklären müssen. Ähm, definitiv sehr große Hunde. Die waren dem Nachbarn entwischt und hatten ihn beim Spielen angefallen. Nichts weiter. Nein, er war in kein Löwengehege gefallen. Er war gewogen worden und jemand hatte ihn nach seinem Stuhlgang gefragt. Weird, aber okay. Sein Gewicht war gemessen worden, genauso seine Größe. Und jetzt war er eben wieder auf der Liege.

Er konnte seinen Freund seufzen und die Augen verdrehen sehen, auch wenn dieser gerade ihm den Rücken zuwandte. "Niemand wird einfach ohnmächtig nach so einer Nacht. Irgendwas stimmt nicht. Letztes Jahr hast du bestimmt noch zehn Kilo mehr gewogen, vermutlich sogar mehr. Und glaub nicht, dass wir nicht sehen, dass du etwas gebeugter gehst. Wenn nichts ist, spendier ich dir gern einen Drink oder nehm dich zum Essen mit, wenn du dich ausgeruht hast. Aber warte bitte auf das Ergebnis, bevor du gehst." Als ob Eugene einfach gehen würde. Er wollte selbst Andres Gesicht sehen, wenn der Arzt etwas von Erschöpfung erzählen würde. Mehr würde es schon nicht sein, hoffentlich. Und wenn doch war sein Dad vermutlich eh der bessere Ansprechpartner. Mit ihm würde er es schon noch klären. Irgendwann. Wenn er sich traute, ihn darauf anzusprechen. Sein Dad hatte immer so viel zu tun. Er wollte ihn nicht weiter stressen. Oder seiner Mum Sorgen bereiten. Er war ein schwieriger Teenager gewesen, aber das Leben war auch nicht gerade fair gewesen. Da durfte er doch auch nicht nur für sich selbst hoffen, dass es einmal fair war und er nur etwas Ruhe benötigte.

Für eine Weile schwiegen sie, bis der Arzt reinkam, samt zweier Schüler. Studenten hieß das hier, oder? Eugene setzte sich auf. Die Anspannung in Andre konnte er förmlich schmecken. Da brauchte er nicht erst zu seinem Kumpel rüberschauen. "Mr. Egge, erstmal vielen Dank für Ihre Geduld mit uns", begann der Arzt, dessen Namen Eugene schon wieder vergessen hatte, und schob die dunklen Bilder in seiner Hand vor eine Lichtbox, "Wir haben einige Tests machen müssen, um das Ausmaß festzustellen und unsere Diagnose zu bestätigen. Für ein paar weitere würden wir Sie bitten, in ein paar Tagen für speziellere Tests wiederzukommen." Die Lichterbox wurde angeschaltet und das Bild auf dem schwarzen Glasspergament wurde sichtbar. Schwarz-weiß, keine Bewegung. "Das hier sind Ihre Knie, hier das Linke, da das Rechte. Sehen Sie dieses wolkige Gebilde in Ihrem linken Femur knapp über dem Gelenk? Das sollte eigentlich so aussehen, wie in Ihrem rechten Knie. Unsere Befürchtung ist, dass es sich um ein Osteosarkom handelt, also einen Knochentumor, Krebs." Eugene blinzelte, als der Mann die Bilder gegen zwei andere austauschte. Krebs? Andre warf ihm einen Blick zu, als würde er ihm laut zurufen "Ich hab es doch gesagt.", aber dennoch gequält aussah.

Sie zeigten ihnen noch seine Schulter, die eine ähnliche Wolke im Knochen aufzeigte, und seinen Brustkorb, wo laut dem Doktor alles okay war, was ihn zu freuen schien. Es folgte noch ein großes Gespräch über Stadien, Behandlungen, Möglichkeiten und Aussichten. Zu allem gab es Flyer, die man entweder ihm oder Andre in die Hand drückte. Und am Ende gab es noch einen Termin. Sie wollten ihn unter Narkose legen und ein Stück von seinem Knochen nehmen, um es zu analysieren, wenn er es richtig verstanden hatte. Bei Narkose hatte Andre gesagt, dass der Arzt meint, dass er währenddessen schlafen und nichts spüren würde. An Eugene war das alles ein wenig vorbeigeflogen. Reichte es nicht, dass er ein Werwolf war? Ach fuck. Er könnte etwas zerschlagen. Wenn er nicht auch gleichzeitig so müde war. "Sobald wir das Ergebnis von der Biopsie haben, geh ich mit dir ins St. Mungos. Die müssen einfach was Besseres anbieten, als dir das Bein abzuschneiden und ein ganzes Stück von deinem Schulterblatt wegzunehmen. Bestrahlung und Chemo kann es doch nicht sein," fing Andre an, aber Eugene unterbrach seinen Freund. "Warte, was? Bein abschneiden?" "Ja, Amputation.," antwortete sein Kumpel mit einem Schnauben. "Fuck, sorry, das hab ich nicht so mitbekommen." Ein wenig hatte die Welt angefangen, sich zu drehen. "Kein Wunder, du siehst aus wie ein Zombie," meinte Andre ein wenig sanfter und Eugene spürte, wie dieser seine Taille griff und gegen sich drückte. "Wir holen uns erstmal ein Taxi zum Tropfenden Kessel. Wir können von da aus per Flohpulver zurück zu dir. Aber mit dir appariere ich heute bestimmt nicht mehr." Eugene ließ sich einfach zum nächstbesten freien Wagen ziehen. Er ließ es auch zu, dass Andre ihn stützte. An jedem anderen Tag und bei jemand anderem hätte er sich bestimmt gewehrt. Aber jetzt klang die Idee, in sein eigenes Bett zu fallen und in Ruhe auszuschlafen, während er es erstmal verdaute, wie zwei Schokofrösche in einer Packung. "Kannst du mir wenigstens eines versprechen? Erstmal kein Wort zu den anderen. Fuck, lass mich bitte erst einmal verstehen, was das alles bedeutet. Bitte, Andre, ich will erstmal selbst Antworten haben, bevor ich mit ihnen rede," meinte er, als Andre ihn unzeremoniell auf die Rückbank eines Wagens verfrachtete. "Klar, aber nicht zu lange. Franklyn hat sowieso schon vor zwei Monaten angemerkt, dass du komisch riechst. Es macht selbst mit dem Beruhigungsmittel seinen Wolfshund ganz wuschig. Aber lass uns darüber später reden, wenn wir wieder unter uns sind", grummelte Andre und nickte kurz zum Fahrer, um wieder darauf hinzuweisen, dass sie unter Muggeln waren und nicht so offen darüber reden konnten. Während Andre die Adresse durchgab, sah Eugene aus dem Fenster. Krebs. Er hatte immer befürchtet, dass er durch die Hand von Auroren starb, entweder, weil er wirklich etwas angestellt hatte oder jemand die Auslöschung der Werwölfe befohlen hatte, zumindest, wenn es nicht damit endete, dass er einfach vor Altersschwäche starb. Aber Krebs? Fuck. Wie sollte er das seiner Familie erklären? Seinem Dad, seiner kleinen Schwester? Seiner Mum, Eileen? Oder Cassius, der gerade selbst seine erste Vollmondnacht hinter sich hatte? Fuck, wenn er Zuhause war, musste er unbedingt seiner Familie einen Brief schreiben und fragen, wie es dem Jugendlichen ging. Die ersten Nächte waren einfach scheiße. "Wir sind gleich da."