OWLWAYS
Charlotte O'Hare - Druckversion

+- OWLWAYS (https://owlways.makemerun.de)
+-- Forum: Charaktere (https://owlways.makemerun.de/forumdisplay.php?fid=7)
+--- Forum: Bewerbungen (https://owlways.makemerun.de/forumdisplay.php?fid=96)
+--- Thema: Charlotte O'Hare (/showthread.php?tid=1103)



Charlotte O'Hare - Charlotte O'Hare - 11.09.2026

Schuljahr 1985/1986 | 15 Jahre
Nach dem ersten Kuss mit Tony
Okay. Also. Ich wurde heute geküsst.
Von Tony.
Und ich weiß wirklich nicht, warum ich das aufschreibe, als könnte ich es sonst vergessen. Als würde mein Gehirn das nicht sowieso seit ungefähr drei Stunden in Dauerschleife abspielen und jedes einzelne Mal versuchen herauszufinden, ob ich irgendwas Peinliches gemacht habe.
Hab ich wahrscheinlich. Bestimmt sogar. Vielleicht hab ich die Augen zu früh zugemacht. Oder zu spät. Gibt es da überhaupt ein richtiges Timing? Wer bringt einem sowas bei?
Dafür gibt es sieben Jahre Hogwarts, aber natürlich kein Unterrichtsfach für Sachen, die man tatsächlich irgendwann gebrauchen könnte. Stattdessen weiß ich, wie man einen Käfer in einen Knopf verwandelt. Ganz hervorragend.
Er hat danach gelächelt. Also Tony. Nicht der Käfer.
Und ich glaube, ich hab auch gelächelt. Vermutlich ziemlich bescheuert sogar. Aber irgendwie war das egal. Es war gar nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Nicht groß oder irgendwie… keine Ahnung. Magisch. Also schon magisch. Wir sind Zauberer. Aber nicht so. Es war einfach Tony und ich und für ein paar Sekunden war alles ganz still und danach war es eigentlich genauso wie vorher und gleichzeitig überhaupt nicht mehr.
Ich glaube, ich mag ihn wirklich. Also wirklich wirklich.

Sommer 1992 – 22 Jahre
Nach der Verlobung
Ich bin jetzt verlobt.
Das fühlt sich vollkommen absurd an, obwohl es gleichzeitig die logischste Sache überhaupt sein müsste. Immerhin sind Tony und ich schon so lange zusammen, dass ich mich manchmal ernsthaft fragen muss, ab welchem Punkt aus einem Freund eigentlich der Mensch geworden ist, bei dem man ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass er auch in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren noch neben einem sitzt.
Aber heute hat er mich gefragt. Und ich hab Ja gesagt.
Natürlich hab ich Ja gesagt.
Und der Ring ist so wundervoll. Ich kann gar nicht aufhören, ihn anzuschauen.
Ich hab nicht einmal darüber nachgedacht. Das klingt vermutlich furchtbar unromantisch, ist aber gar nicht so gemeint. Es gab einfach nichts zu überlegen. Tony gehört zu meinem Leben. Ich kenne seine schlechten Angewohnheiten, er kennt meine. Er weiß, dass ich Namen vergesse und morgens nicht angesprochen werden möchte, bevor ich irgendwas getrunken habe. Ich weiß, wann er lügt, wenn er behauptet, dass ihn irgendwas nicht stört. Wir haben Hogwarts überstanden, meine Ausbildung, seine ersten Jahre im Ministerium und diese vollkommen beschissenen Wochen, in denen ich dachte, ich würde die Prüfungen im St. Mungo niemals schaffen.
Und jetzt kommt eben der nächste Schritt.
Meine Ausbildung ist abgeschlossen. Hogwarts steht vor der Tür. Tony hat seine Arbeit. Wir haben Pläne.
Es fühlt sich gut an, welche zu haben.

Winter 1994 – 24 Jahre
Nachdem sie herausfindet, dass Tony sie betrügt
Ich habe ihn gefragt. Direkt.
Keine Spielchen, keine Fallen, kein „ich weiß etwas, aber sag du es mir zuerst“. Einfach gefragt.
Und er hat gelogen.
Das ist vermutlich das, was gerade am meisten weh tut. Nicht einmal sie. Nicht die Vorstellung, dass er sie berührt hat oder geküsst oder was auch immer. Darüber will ich ehrlich gesagt gerade überhaupt nicht nachdenken. Vielleicht morgen. Vielleicht nie.
Aber ich habe ihn angesehen und ihm die Möglichkeit gegeben, mir die Wahrheit zu sagen und er hat sich entschieden, es nicht zu tun.
Und irgendwann später hat er dann aufgehört zu lügen, weil es offenbar keinen Sinn mehr hatte.
Ich dachte immer, wenn sowas passiert, weiß man sofort, was man tun muss. Man wird wütend. Man schreit. Man schmeißt irgendwas. Vielleicht schlägt man eine Tür zu. In irgendwelchen Romanen regnet es draußen vermutlich auch noch.
Ich hab hauptsächlich dagesessen.
Und dann hab ich angefangen Fragen zu stellen.
Seit wann? Wie oft? Warum? Weiß sie von mir? Wolltest du es mir irgendwann sagen?
Und das wirklich Beschissene ist, dass die Antworten irgendwann aufgehört haben wichtig zu sein.
Weil mir während dieses Gesprächs plötzlich Dinge eingefallen sind, die überhaupt nichts mit ihr zu tun hatten. Die Diskussionen wegen Hogwarts. Wegen Dad. Weil ich zu viel arbeite. Weil ich zu oft in Hogsmeade bin. Weil ich nicht immer Zeit hatte, wenn Tony welche wollte. Diese ganzen kleinen Gespräche, nach denen ich hinterher dachte, vielleicht hätte ich wirklich einfach anders planen müssen.
Vielleicht hätte ich mehr Rücksicht nehmen müssen. Vielleicht hätte ich früher nach Hause kommen können. Vielleicht hätte ich… Nein.
Nein, genau das mache ich jetzt nicht.
Ich weiß noch nicht, was ich morgen mache.
Aber ich weiß ziemlich sicher, was ich nicht mehr mache.
Mich entschuldigen, weil mein Leben Platz braucht.

Januar 1995 – 24 Jahre
Nach der Trennung und belastet durch den Unfall ihres Vaters
Dad hat heute gefragt, ob ich wegen ihm hier bin.
Ich hab gesagt, natürlich bin ich wegen ihm hier.
Das war vermutlich nicht die Antwort, nach der er gefragt hat.
Er wollte wissen, ob ich mein Leben gerade aufgebe, um mich um ihn zu kümmern. Ob ich Hogsmeade gewählt habe, weil ich wirklich hier sein möchte oder weil ich glaube, dass ich hier sein muss.
Ich hasse es, wenn er solche Fragen stellt.
Vor allem weil ich keine vernünftige Antwort darauf habe.
Tony ist weg. Also nicht weg weg. Er existiert natürlich weiterhin. Irgendwo. Vermutlich im Ministerium. Vermutlich tut er gerade irgendwas vollkommen Normales und das fühlt sich manchmal fast beleidigend an. Als müsste die Welt zumindest ein bisschen anders aussehen, nachdem acht Jahre meines Lebens einfach aufgehört haben, in die Richtung weiterzulaufen, in die sie sollten.
Und Dad…
Dad braucht Hilfe.
Er braucht die nicht ständig, immerhin. Er ist kein Kind und ich muss wirklich aufhören, ihn manchmal so zu behandeln. Er hasst das. Zu Recht.
Aber es gibt Tage, an denen seine Hände nicht so wollen wie er. Tage, an denen ihm schon der Weg nach oben schwerfällt. Medikamente, Tränke, Kontrolltermine. Dinge, bei denen ich helfen kann.
Also helfe ich. Natürlich helfe ich.
Ich bin seine Tochter. Ich bin Heilerin. Ich wohne jetzt hier. Hogwarts ist direkt da. Alles vollkommen logisch.
Und trotzdem bin ich so müde.
Ich glaube, ich muss irgendwann herausfinden, wie man für jemanden da ist, ohne dabei jede freie Ecke mit Verantwortung vollzustopfen.
Aber vielleicht nicht heute.
Heute mache ich Dad seinen Trank, kontrolliere nochmal die Dosierung und gehe danach schlafen.
Und morgen versuche ich zumindest, nicht bereits beim Frühstück so zu tun, als hätte ich alles hervorragend im Griff.

07.11.1995 – 25 Jahre
Ausbildungserlass Nr. 23
Jetzt überprüft sie also den Unterricht.
Alle Lehrkräfte.
Und die Ergebnisse gehen ans Ministerium.
Ich habe den Erlass heute zweimal gelesen und beim zweiten Mal stand da leider immer noch derselbe Bullshit.
Vielleicht bin ich zu empfindlich. Vielleicht ist das tatsächlich nur irgendeine bürokratische Maßnahme und ich verstehe zu wenig davon, wie solche Dinge funktionieren. Wäre möglich. Ich verstehe Ministeriumspolitik ungefähr genauso gut wie komplizierte Kopfrechnung und bei letzterem weiß wenigstens jeder, dass er mir besser Pergament und Feder gibt.
Aber irgendwas daran fühlt sich falsch an.
Nicht, weil Unterricht nicht überprüft werden darf. Natürlich sollte jemand darauf achten, dass Lehrer ihren Beruf vernünftig machen. Ich würde auch nicht wollen, dass irgendein vollkommen unfähiger Heiler jahrelang Patienten behandelt, nur weil niemand kontrollieren möchte, was der eigentlich tut.
Aber das hier fühlt sich nicht an wie eine normale Überprüfung.
Es fühlt sich an wie Suchen.
Als würde Umbridge nicht wissen wollen, ob jemand gut unterrichtet, sondern ob jemand so unterrichtet, wie das Ministerium es gerne möchte.
Und genau das macht mir so ein unangenehmes Gefühl im Bauch.
Ich habe bei Remus gesehen, wie schnell aus einem guten Lehrer plötzlich ein Problem werden kann, sobald jemand nur lange genug das richtige Etikett auf ihn klebt. Ich sehe gerade bei Harry, wie leicht man einen Jungen zum Lügner erklären kann, wenn genügend Erwachsene beschließen, dass seine Wahrheit unbequem ist.
Und jetzt läuft diese Frau durch die Schule und entscheidet offenbar darüber, wer seinen Beruf richtig macht.
Was mache ich, wenn irgendwann jemand entscheidet, dass auch der Krankenflügel überprüft werden muss?
Was mache ich, wenn sie wissen möchte, was Schüler mir erzählen?
Was mache ich, wenn Neutralität irgendwann bedeutet, Dinge mitzutragen, die ich eigentlich falsch finde?
Ich weiß es nicht.
Und das ist für mich ein echtes Problem.
Ich weiß ziemlich genau, was ich für richtig und falsch halte, solange jemand direkt vor mir steht. Wenn ein Schüler verletzt ist, helfe ich ihm. Wenn jemand schlecht behandelt wird, greife ich ein. Wenn jemand Angst hat, setze ich mich dazu. Das kann ich.
Aber was macht man gegen etwas, das nicht mit einem verletzten Menschen anfängt, sondern mit einem Erlass auf Pergament?
Ich bin völlig ratlos. Und ich habe Angst. Um die Schüler. Als Heilerin find ich überall Arbeit. Aber ich glaube langsam nicht mehr, dass Wegsehen auf Dauer funktionieren wird.