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Vincent Crabbe - Druckversion

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Vincent Crabbe - Vincent Crabbe - 08.10.2026

01.09.1995

Als Vincent Crabbe den Hogwarts Express betrat, fühlte er sich regelrecht beflügelt. Nach außen war von seiner inneren Zufriedenheit allerdings nichts zu erkennen, denn wie üblich war die Miene des Slytherin versteinert, während er durch den schmalen Korridor des Zugs marschierte und seinen Koffer hinter sich herschliff. Jedes Mal, wenn ihm jemand im Weg stand, reichte ein einziger finsterer Blick, um die Person wie einen aufgescheuchten Bowtruckle zurückschrecken zu lassen. Dieser Respekt war etwas, das er an seiner Schulzeit sehr genoss.

Dabei blickte Vincent der Rückkehr ins Schloss für gewöhnlich mit gemischten Gefühlen entgegen. Zwar freute er sich auf die Zeit abseits seines fordernden Vaters, doch die monatelange Theorie, die ganze Schreiberei und das Gefühl einfach nicht mitzukommen, waren verdammt auslaugend. Außerdem standen am Ende dieses Schuljahres die ZAGs an, die er ganz bestimmt vermasseln würde! Trotz dieser Aussicht freute Vincent sich auf das neue Jahr.

Die Sommerferien waren verdammt gut gewesen und das lag vor allem an einer Sache, die Vincent früher für unmöglich gehalten hätte. Die Stimmung zu Hause war ausnahmsweise einmal gut gewesen. Als sein Vater begonnen hatte, ihn in offensiver Fluchmagie zu unterrichten, war der Knoten in ihm geplatzt. Während er bei feinen Verwandlungszaubern stets versagt hatte, schien ihm offensive und zerstörerische Magie außerordentlich gut zu liegen. Indem er sein Temperament und seine Wut in die Ausführung von Explosions- oder Schleuderflüche legte, gehorchte sein Zauberstab und brachte ein tadelloses Ergebnis hervor. Zum allerersten Mal in seinem Leben hatte Vincent in den Augen seines Vaters keinen Spott oder Enttäuschung gesehen, sondern echten Stolz. Endlich war er gut in etwas und bekam Anerkennung dafür. Eine Anerkennung, die all die Jahre, in denen sein Vater ihn niedergemacht und körperlich gemaßregelt hatte, wieder wett zu machen schien. Er war kein Versager und dass der Dunkle Lord zurückgekehrt war, erfüllte ihn mit einer Hoffnung, die erfolgreich von seinem Vater genährt wurde. Es würde eine völlig neue Ordnung entstehen, eine Ordnung, in der sein Vater und er Seite an Seite ganz oben stehen würden.

Dass sein Vater ihm lachend die Schlagzeilen über Potter unter die Nase gehalten hatte, hatte ihm die letzten Wochen zusätzlich versüßt. Da lohnte sich das Lesen endlich mal, denn zu sehen, wie der Tagesprophet diesen Potter Tag für Tag als Spinner und Lügner zerriss, war eine pure Genugtuung für ihn. Und das Beste daran war, dass er ihm dieses Jahr aller Voraussicht nach sogar offiziell das Leben schwer machen durfte. Neben dem Unterricht bei seinem Vater hatten Vincent und Gregory sehr viel mit Draco für das anstehende Auswahlspiel des
Slytherin-Quidditchteams trainiert. Gut, man könnte auch sagen, dass Draco sie trainiert hatte und das ganz schön intensiv. Doch Vincent war sicher, dass sich die harten Trainingsstunden auszahlen und sie es als neue Treiber ins Team schaffen würden. Jedenfalls brannte er schon jetzt darauf dem Potterjungen auf dem Spielfeld den einen oder anderen Klatscher direkt entgegenzujagen.

Kombiniert mit der Aussicht die nächsten Monate ungestört mit Draco und Gregory abhängen zu können, fühlte sich dieser Schuljahresbeginn schon fast wie ein Triumphzug an. Vincent blieb vor der Schiebetür eines Abteils stehen. Durch das Fenster sah er Gregory auf der Polsterbank sitzen. Wie er erfahren hatte, war Draco in diesem Jahr zum Vertrauensschüler ernannt worden und würde die Fahrt im entsprechenden Abteil verbringen. Ein kleiner Wermutstropfen, doch insgesamt empfand er die Aussicht einen Verbündeten unter den Vertrauensschülern zu haben gar nicht mal so schlecht. Zwischen ihm und dem Abteil befand sich ein Schüler, den er nicht zuordnen konnte. Es war ihm auch egal, er stand ihm im Weg. Mit einem mürrischen „Aus dem Weg!“, schob er dem anderen seinen Ellenbogen in die Seite, packte den Türgriff und schob die schwere Metalltür mit einem lauten Ruck zur Seite, um sich zu seinem Kumpel in das Abteil zu begeben.