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Jamie Vance - Druckversion

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Jamie Vance - Jamie Vance - 21.08.2025

Es war ungewöhnlich still in der Bibliothek, nur der Regen, der leise gegen die hohen Fenster schlug, war zu hören. Die Sperrstunde war nicht mehr fern, doch Jamie Vance war so in seinen Gedanken vertieft, dass er gar nicht mitbekam, dass das Rascheln und Flüstern in der Umgebung längst nachgelassen hatte. Wie üblich saß der Ravenclaw in einer der hintersten Ecken der Bibliothek. Vor ihm lag ein aufgeschlagenes Astronomiebuch und er starrte bereits seit einigen Minuten auf das abgebildete Sternbild: Großer Hund. Doch er betrachtete nicht das Sternbild als solches, sondern fixierte den Hauptstern Canis Majoris, den Hundsstern und Namensgeber seines Vaters. Sirius.

Seit dieser Mann aus Askaban geflohen war, verfolgte Jamie den Tagespropheten mit erhöhter Aufmerksamkeit. Doch heute war er ihm so nahe gewesen, dass er es nicht erst aus einem Artikel über die neueste Sichtung des Flüchtigen erfahren hatte. Die Nachricht über den Einbruch in den Gryffindorturm hatte sich wie ein Lauffeuer durch das gesamte Schloss verbreitet. Natürlich sprachen alle über den Mörder, der am Bett von Harry Potter gestanden haben sollte. Für manche war es beängstigend, für andere spannend, doch für Jamie war es ein Stich ins Herz.

Die Stimme von Madam Pince ertönte und kündigte die nahende Sperrstunde an. Der Junge mit dem dunklen Haar erwachte aus seiner Starre. Er lehnte sich zurück, die Finger umfassten den Rand des schweren Buches, als könnte er sich daran festhalten. Sein Herz klopfte spürbar schneller, während die Worte seiner Mutter von vor rund vier Jahren in seinem Kopf widerhallten. Er hatte sie genötigt, gefragt, gebohrt, wieder und wieder, bis sie an seinem neunten Geburtstag endlich die Wahrheit ausgesprochen hatte. Er hatte einfach nur wissen wollen, wer sein Vater war. Dass es sich dabei ausgerechnet um Sirius Black handelte, hatte ihm ganz schön den Boden unter den Füßen weggezogen. Der Schokoladenkuchen war ihm damals beinahe im Hals stecken geblieben, doch seine Mum hatte weitergesprochen, mit dieser festen Stimme, die immer dann kam, wenn sie ihn schützen wollte. Sirius wusste von ihm, doch er hatte die falschen Entscheidungen getroffen und es hatte seinen Grund, dass er kein Teil ihres Lebens sein konnte.

Seit diesem Tag trug Jamie das Geheimnis mit sich, versuchte es oftmals zu verdrängen, doch wurde immer wieder davon eingeholt. Als er von dem Ausbruch erfahren hatte, war er gar so töricht gewesen zu glauben, Sirius würde den Kontakt zu ihm suchen. Doch nichts dergleichen. Stattdessen tauchte er in Hogwarts auf und stellte Harry Potter nach. Warum Harry? Weil er der Auserwählte war? War er tatsächlich so böse und verrückt, wie man es von ihm sagte, und wollte sein Werk vollenden? Oder war es, weil er der Sohn seines besten Freundes war, den er verraten hatte? Wollte er es wieder gut machen?

Als könne es die Gedanken an seinen Vater vertreiben, schlug er das Buch zu. Doch der Gedankenstrom riss nicht ab. Vielleicht wollte Sirius ihn schützen. Vielleicht schämte er sich. Vielleicht glaubte er, dass Jamie ohne ihn besser dran war. Doch die Stimme, die in seinem Kopf am lautesten hallte, war eine andere.

Vielleicht bist du ihm einfach egal.